Lernort Natur

Die Kinder werden einen Großteil der Zeit mit uns in der freien Natur verbringen. Bei allzu unwirtlicher Witterung können wir uns in die heimelige mongolische Jurte oder das gemütliche Schinkel-Gebäude zurückziehen und von dort aus die urtümliche Kraft des Wetters aus dem schützenden Innern genießen. Ähnlich, wie die Natur von sich ewig wiederholenden Abläufen in rhythmischen Wechseln gekennzeichnet ist, so orientiert sich auch unsere Pädagogik an den Jahreszeiten. Ein angenehmes und ganzheitliches Umfeld, in dem sich Kinder frei entfalten können – motorisch, sensorisch wie auch kognitiv – das Erfahrbar-Machen des eigenen Seins in der Natur mit allen Sinnen.

 

Die freie Natur bietet Kindern einen idealen Spiel- und Lebensraum. Kinder brauchen zur ihrer Entwicklung nicht nur stabile Bindungen zu liebevollen Menschen, sondern auch eine Beziehung zur Natur und deren Elemente. Allein das ständige draußen sein, das Spielen, Tollen und Bolzen im Wechsel der Jahreszeiten mit ihren verschiedenen Witterungen, stärkt das Immunsystem und macht daher weniger anfällig für Krankheiten. Die nahezu uneingeschränkte Bewegungsfreiheit fördert die grobmotorische Entwicklung. Während des Umgangs mit den verschiedensten natürlichen Materialien werden das Fühlen und Tasten und durch den Umgang mit Werkzeugen die Feinmotorik unterstützt. Den Kindern stehen dabei keine konventionellen Spielgeräte zur Verfügung, sondern die Natur selbst ist der Spiel und Erlebnisraum. Vielmehr werden wir gemeinsam Spielgeräte herstellen aus den Ressourcen, die uns die Natur liefert. Somit lernen die Kinder wertschätzendes Verhalten, sowohl das Schützen als auch das Nutzbarmachen der Natur.

Kinder eignen sich die Welt an, indem sie sich aktiv mit ihrer sozialen und räumlichen Umwelt auseinander setzen. Sie erfahren und entdecken ihre natürliche Umwelt zunächst mit allen Sinnen. Die Verknüpfung dieser Reize und deren Interpretation sind wichtige Schritte in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. In einer Welt, die vor einer permanenten Reizüberflutung geprägt ist, ermöglicht das noch ungestaltete Naturgelände des Jägerhofs einprägsame Erfahrungen für Kinder. Hier erleben sie im Jahreskreislauf wichtige Vorgänge des Lebens wie Wachstum, Veränderung, Vergänglichkeit und Kontinuität zu verstehen. Außerdem erleben sie die Natur als ein lebendiges und schützenswertes Gut. In der Natur können sehr viele wichtige Werte vermittelt werden, ohne daß sie künstlich gefördert werden müssen, da eine Umgebung mit Bäumen, Sträuchern, Wiesen und Tieren vielfältige Möglichkeiten bietet und damit Erfahrungs- und Lernfeld ist.

Wir bereiten gemeinsam mit den Kindern natürliche Nahrungsmittel wie z.B. Holunder- oder Brennnesseltees und Brote zu. Wir können die hofeigenen Tiere (Hühner und Katzen) besuchen und die Kinder werden die Pflege des Kräutergartens eingebunden. Auch hier ist uns wichtig, dass die Kinder „echte“ landwirtschaftliche Arbeit erleben und nicht für sie künstlich angelegte kleine Beete, bei welchen dann etwas ganz bestimmtes erlernt werden soll.

 

Erlebniswelten erschließen

Das Überangebot moderner Medien führt zu einer immer dramatischer anwachsenden Naturfremdheit von Jung und Alt. Während es einst eine Selbstverständlichkeit war, dass sich Eltern gemeinsam mit ihren Kindern in die Natur begaben, führt heutzutage Überlastung und Termindruck der Erwachsenen zu einer Vernachlässigung der Kinder auf diesem Gebiet. Dieser Mangel kann nicht durch ein häufig auftauchendes Überangebot an Spielzeug oder gar Taschengeld ausgeglichen werden – es ist und bleibt ein Mangel. Lebenswichtige Sinneserfahrungen werden nicht gemacht.

Wir möchten den Kindern die Möglichkeit bieten, sich fernab der konsumorientierten Welt einen Lebensraum zu erschließen, der sie mit allen Sinnen anspricht. Unsere Angebote richten sich gezielt auf die Erlebniswelt des Kindes in freier Natur. Hier können wir alle mit unserer Umwelt in Kontakt treten und gemeinsam schöne Stunden verbringen. Die Natur ist den ewigen Kreisläufen an- und abschwellender Jahreszeiten unterworfen. In dem Maße, in dem die Kinder sich in ihr aufhalten, sind auch sie Teil dieser Abläufe. Durch unsere Arbeit und verschiedene Aktivitäten machen wir diese Abläufe deutlich, indem wir z.B. Winter- und Sommersonnenwenden, Erntedank- und Frühlingsfeste feiern. Die Natur selbst ist hier der Ideengeber. Beim Brotbacken sind wir alle kräftig am Mahlen, Rühren, Kneten und Feuerschüren. Am lauschigen Lagerfeuer essen wir Stockbrot. Wir verzehren, was uns die Natur gibt, stellen Tees und andere Lebensmittel aus gesammelten Kräutern, Beeren und Wurzeln her. Nach alter Wichtel-Indianer- Tradition halten wir dabei kleine Zeremonien ab, um der Natur für ihre Geschenke zu danken. Natürlich richten wir auch längerfristige Projekte aus. Das Experimentieren mit Naturstoffen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Aktivitäten. Lehm, Matsch, Sand – über das sinnliche Erleben dieser Werkstoffe erleben die Kinder sich selbst intensiv und finden in nachhaltige Lernprozesse.

Die Begegnung mit den Hoftieren und die Beobachtung der vielen Waldtiere ermöglicht den Kindern Zugang zu neuen Erlebniswelten, welche über die soziale Interaktion der Menschen hinaus geht.

Unser Kräuterbeet lädt ein zu Wanderunge  mit Geschichten, Mythen und Informationen rund um Kräuter. Die Kinder sind selbständig mit Hege und Pflege der Pflanzen befasst. Ein Ort der Entspannung, der Stille und des Genießens für Jung und Alt. Gemeinsam erleben wir entspannte und spannende Lesestunden mit musikalischer Untermalung, mit Tanz und Traum und in stimmungsvoller Umgebung, sowie der Umgang mit Klanginstrumenten.