Bindung

Kontinuität

Uns ist das Prinzip der Erwartbarkeit sehr wichtig: Wir arbeiten nicht in Schichtarbeit, sondern mit festgelegten Arbeitszeiten an jedem Wochentag. Die Hauptbezugspersonen haben 40h-Verträge und sind so verlässlich und immer für die Kinder da. Sie wissen immer wer wann für sie da ist und erleben dadurch eine Kontinuität, welche Halt gibt.

 

Freiheit und Grenzen

Die bindungsbewusste pädagogische Ausrichtung ermöglicht es den Kindern aus der sicheren Beziehungsbasis heraus in die Exploration zu gehen (also zu entdecken, sich zu erproben, zu lernen).

Die Pädagogen sorgen für einen klaren Rahmen durch Rhythmisierung des Tages und kenntlichmachen von Grenzen, sowie Fürsorge für deren Einhaltung. Wir verstehen uns dabei als eine Art „Grenz-Detektive“ für die Kinder: Es geht nicht darum Regeln zu erfinden, sondern Grenzen, welche natürlich gegeben sind zu erkennen. Diese Grenzen für die Kinder soweit als möglich und altersentsprechend verstehbar zu machen und daraus gültige Regeln zu entwickeln. Also führt beispielsweise die Grenze der Verletzbarkeit eines Körpers dazu, dass Schubsen, Hauen usw. nicht in Ordnung ist. Oder die Grenze, welche ein kleineres Kind erreicht, wenn es sich von einem Großen nicht zum Teilen seines Pausenbrotes überreden lassen will, kann zu der Regel führen, dass wir jüngere immer nur einmal um etwas bitten dürfen, weil sich diese noch nicht so gut behaupten können. Dabei gilt es, so wenig wie möglich und so viel wie nötig zu regeln. Aufgestellte Regeln aber dann klar und konsequent umzusetzen. Kinder müssen behutsam begleitet werden um zu lernen Grenzen aushalten können und ein Bewusstsein für Grenzen zu entwickeln. Grenzen sind eine natürliche Voraussetzung für Leben, keine Zelle kann ohne Hülle (Grenze) existieren, wie auch kein anderer Organismus. Leben und wachsen wird möglich durch angemessene Grenzen. Wie viel darf rein, wie viel raus? Unser besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die Themen: Schutz und das Erlernen der eigenen kindlichen Bedürfnisse.

 

Erziehungspartnerschaft mit den Eltern

Ein wichtiger Schwerpunkt bindungsbewusster Pädagogik ist die Elternzusammenarbeit. Voraussetzung dafür ist die absolute Achtung vor dem Wege, welchen Eltern mit ihren Kindern gehen. Kinder sind am engsten mit ihren Eltern verbunden. Die Gefühle und Haltungen, welche wir ihnen als Erzieher_innen entgegen bringen übertragen sich daher auch direkt auf die Kinder. Es wäre also widersinnig die Kinder respektvoll zu behandeln und gleichzeitig den Eltern zu erklären, was sie alles falsch machen. „Auf Augenhöhe“ bedeutet für uns also der ganzen Familie als eng verwobenem Netz mit Empathie und Anerkennung zu begegnen. Bindungsbewusst heißt hier, dass Kinder nicht zwischen den beiden Welten „Zuhause“ und „Kita“ hin- und herwechseln müssen. Es heißt, dass wir versuchen, dass sich diese beiden Welten möglichst viel berühren und begegnen. Dass die Kinder Vertrautheit und Sympathie zwischen Erzieher_innen und ihren Eltern erleben, dass nicht nur sie selbst sich zuhause und angenommen am Jägerhof fühlen, sondern ihre ganze Familie. Von 8.30h bis 17.00h steht ihnen außerdem die Elternbibliothek zur Verfügung. Hier können sie auf dem Sofa entspannt Kaffee trinken, Bücher ausleihen oder sich treffen. Ein eigener Garten steht ihnen ebenfalls zu Verfügung.

Uns ist ein lebendiges und vielseitiges Leben der Kitagemeinschaft wichtig. Deshalb bieten wir regelmäßig Elternveranstaltungen wie Väter-Kaminabende, Gartentage oder Nähwerkstatt an.

Außerdem bieten wir regelmäßige, mindestens zwei Mal jährlich stattfindende Eltern-Pädagogen-Dialoge (Entwicklungsgespräche) über den Entwicklungsstand des betreffenden Kindes an.

 

Behutsame Eingewöhnung

Die Eingewöhnung in einen Kindergarten ist von großer Bedeutung für die Eltern, Betreuer_innen und besonders für die Kinder. Sie legt den Grundstein für den weiteren Weg im Kindergarten (und wie wir aus Studien wissen sogar die Schulzeit!). Daher gestalten wir diesen wichtigen Übergang besonders schonend und achtsam an den Bedürfnissen der Kinder orientiert. Es ist also wichtig, sich auf eine lange und langsame Eingewöhnung einzustellen.

Den das Kind erlebt eine große Herausforderung: Es lässt sich auf eine neue Bindungsperson ein, auf neue Kinder, andere neue Menschen vor Ort, auf einen neuen Ort, neue Abläufe, neue Regeln und eigene emotionale, kognitive und motorische Entwicklungsschritte. Auf diese vielfältige Fülle an Neuem kann sich ein Kind nur einlassen, wenn es sich sicher und verankert fühlt. Dieses Gefühl der Geborgenheit ist die grundlegende Voraussetzung für das kindliche Spiel und somit auch für das Lernen als Selbstentfaltungsprozess. Es ist für Kinder wesentlich entspannter (und für die Erwachsenen ebenfalls), sowie langfristig effektiver, wenn man die Eingewöhnung sozusagen anders herum angeht: Nicht die Ablösung ist im Vordergrund, sondern die Verankerung! Das Kind wird, wenn es sich sicher genug fühlt, von alleine zu den anderen Kindern und zur_m Bezugserzieher_in Kontakt aufnehmen. Es wird von alleine und freudvoll beginnen, seine neue Welt zu erkunden und anfangen zu spielen.

Das vordergründige Ziel der Eingewöhnung ist das Entstehen einer sicheren Beziehung des Kindes mit der Bezugserzieher_in, damit das Kind während der elterlichen Abwesenheit eine sichere Basis in der Kita hat, auf die es vertraut und wo es sich angenommen und geborgen fühlt. Der Kontakt zur Erzieher_in und zu den anderen Kindern kann sich langsam und behutsam im Tagesgeschehen entwickeln. Wir schauen individuell und je nach Tagesverfassung aller Beteiligten, wann und wie erste Trennungsmomente ohne Stress möglich sind und wann wir die Eingewöhnung als abgeschlossen betrachten. Alle Eltern stellen sicher dass eine Eingewöhnungszeit von bis zu acht Wochen möglich ist.